ARBEITSBERICHT Berichtszeitraum: 01. Juli 2012 bis 30. Juni 2013

 

ZWEITES HALBJAHR 2012

 

Im Juli war der Präsident von Nepal Austria Partnership Organization, Tsepal Dorje Lama, auf Einladung des Unterzeichneten 4 Wochen in Österreich. Er konnte Kontakte mit früheren Hilfsteams in Simikot erneuern, an einer Vorstandssitzung von Nepal Trust Austria teilnehmen, einige Spitäler besichtigen und Land, Leute und das Leben in Österreich kennen lernen. Im Rotary Club Bad Ischl, der seit 2009 das Projekt in Simikot tatkräftig unterstützt, hielt Tsepal einen sehr beachteten Vortrag.

Im verbliebenen Rest des Jahres 2012 waren keine weiteren österreichischen Teams in Simikot.

 

ERSTES HALBJAHR 2013

 

Im März/April war ein Team aus Tirol in Simikot: meine Kollegin Frau Dr. Alice Markl, ein Kinderarzt (Dr. Michael Künstle) und eine Kinderkrankenschwester (DGKS Claudia Lama). Das Team kümmerte sich um den laufenden Betrieb des Spitals und führte im speziellen Reihenuntersuchungen und Behandlungen von insgesamt 330 Kindern durch.

 

PROJEKT WOMEN HEALTH

 

Der Unterzeichnete war in seiner Funktion als medizinischer Projektleiter vom 30.04.2013 bis 29.05.2013 in Nepal (Simikot 05.05.2013 bis 26.05.2013)

 

ZIELE DES AUFENTHALTES

 

1) Projekt maternal health in Simikot/Humla:

Kontaktaufnahme mit den zuständigen Politikern in Kathmandu
Ermittlung des Baufortschrittes des neuen maternity building und dessen Übergabe-Zustandes durch die nepalesische Regierung an das Spital in Simikot
Besprechung der Nutzung des neuen und alten Gebäudes mit der Spitalsmannschaft
Vorbereitungen für die Erstellung eines Finanzierungsplanes für den Ausbau und für die Einrichtung des neuen maternity buliding mit Setzen von Prioritäten. Ermittlung des maximal möglichen Beitrages für die Einrichtung durch das Krankenhaus (logistisches Department)
Überprüfung der Kenntnisse der Hebamme Karmu in der Ultraschall-untersuchung von Schwangeren, praktische Übungen

 

2) Spital allgemein:

 

Überblick über den Zustand (baulich, Hygiene, Geräte). Gespräche mit den health workers und den dzt. anwesenden nepalesischen Ärzten

 

VERLAUF:

 

KATHMANDU


1) Auf Empfehlung von Frau Dr. Sudha Sharma, der ehemaligen Staatssekretärin im Ministry of Health and Population, wurde ein Treffen mit Herrn Dr. Mingma Gyattsen Sherpa, Director General of Health Service, Health Department, vereinbart, welches am 02.05.2013 in KTM stattfand.
Dr. Mingma Gyattsen ist von Beruf Arzt, war 2002 drei Monate am KH Hallein zur Weiterbildung. Er kennt die Situation in Humla.

 

Ergebnis der Besprechung:
Das Gebäude wird in 2 – 3 Monaten vom Bauunternehmer der nepalesischen Regierung übergeben. Darüber hinaus übernimmt das Health Department keine Kosten für Isolierungsmaßnahmen, Einrichtung und den Transport von Materialien.

 

Diese Aussagen wurden mir dezidiert entgegen gebracht.

 

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2) Kauf von Batterien, die zusammen mit einem aus Österreich mitgebrachtem Spannungswandler und einem Ladegerät zur stromunabhängigen Energieversorgung des mobilen Ultraschallgerätes verwendet werden können.

 

 

 

 

 

 

SIMIKOT

 

PROJEKT MATERNAL HEALTH

 

New maternity building:

Während meines Aufenthaltes konnte ich mich vom Baufortschritt überzeugen und mehrere Gespräche mit dem Bauunternehmer führen. Der Bau soll in 1 – 2 Monaten in folgendem Zustand der Regierung übergeben werden:

 

- Elektrizitätsversorgung- Wasseranschluss (Tanks auf dem Dach) mit Verzweigung in diverse Räume (nur Kaltwasser)
- Bodenaufbau: Erde, gehackte gröbere Steine, Kieselsteine, Zement
- Wände zementiert, weiß gestrichen

 

Die ursprünglich von Tsepal vorgeschlagene Bodenisolierung mit Einbringen von Schaumstoffplatten ist vom Tisch, da die Bodenschichtung zu weit fortgeschritten ist, keine vernünftige Kosten-Nutzen-Rechnung erbracht werden kann und daher von mir abgelehnt wurde.

 

Am 13.5.2013 fand eine Besprechung mit dem medizinischen Personal über die voraussichtliche Nutzung und Inbetriebnahme des neuen und alten Gebäudes statt.

 

Ein stufenweiser Ausbau- und Finanzierungsplan wird von Tsepal in den nächsten Monaten vorgelegt. Als sicher notwendige Investition wurden schon während meines Aufenthaltes 6 elektrische Heizkörper für das neue Gebäude gekauft.

 

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Old maternity building:

Der Zustand des vor ca. 9 Jahren erbauten Gebäudes ist nicht gut: es bröckeln teilweise die Außenmauern, die Holzfenster und Rollläden sind verzogen und undicht, die Farbe an den Böden abgegangen. Die Wasserzufuhr ist gut (in den letzten Jahren schlecht), warmes Wasser gibt es in der Dusche. Die Räume werden wie bisher genutzt und befinden sich in einem für die gegebenen Möglichkeiten sauberen und ordentlichen Zustand.

 

Personal (Hebammen):learning by doing, teaching
Die Hebamme Karmu hat kürzlich in Pokhara einen Ultraschallkurs für Schwangerenvorsorge besucht. Durch tägliche gemeinsame Ultraschalluntersuchungen bei Schwangeren konnte ich mich von ihren zunehmenden praktischen Kenntnissen überzeugen.

 

Die Hebamme Sarita ist, wie schon vor einem Jahr berichtet, sehr routiniert in der Ultraschalluntersuchung und wendet diese auch in anderen Regionen des Bauchraumes an.

 

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Wichtig erschien es mir, wieder einmal auf die Notwendigkeit einer guten Dokumentation eindringlich hinzuweisen. Die Hebamme Karmu wird für die Erbringung der geburtshilflich-neonatologischen sowie der gynäkologischen Statistik (Formblätter wurden überarbeitet) verantwortlich gemacht, Tsepal hat für deren monatliche Überbringung an NTA zu sorgen.

 

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Dem diesbezüglichen kürzlichen Bericht von Frau Dr. Alice Markl ist nichts hinzuzufügen; ich kann ihre Beobachtungen bezüglich Ordnung und Sauberkeit im Spital und der Tätigkeit des medizinischen Personals bestätigen.

 

SPITAL ALLGEMEIN:

 

Am auffälligsten im positiven Sinn war für mich, dass sich die beiden seit November 2012 in Simikot anwesenden nepalesischen Ärzte um die ambulanten und stationären Patienten kümmern. So konnte ich beobachten, dass ein Arzt (Dr. Rabin Khadka) täglich am Vormittag im OPD die ambulanten Patienten gemeinsam mit einem health worker untersuchte und auch Ultraschalluntersuchungen mit Assistenz von Sarita durchführte. Der andere, jüngere Arzt war wenige Tage nach meiner Ankunft auf ein „vasectomy camp“ im Humla gereist.

 

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Einen derartigen Einsatz von nepalesischen Ärzten konnten weder ich noch sonst jemand der bisherigen Teams beobachten. Es bleibt abzuwarten, ob diese Tätigkeitsauffassung eines DHO (district health officer) eine vorübergehende, mit der Zeit und der Person wechselnde, oder Ausdruck eines Generationswechsels ist.

 

Versuch einer Kooperation mit den lokalen UNICEF-Vertretern

 

Die UNICEF-Vertreter in Simikot wurden im zweiten Halbjahr 2012 abgezogen, sodass eine im letzten Bericht angeführte mögliche Kooperation unrealistisch geworden ist.

 

AUSBLICK / PLÄNE:

 

Ich bin mit meinem nunmehr sechsten Aufenthalt in Simikot und den erzielten Ergebnissen weitgehend zufrieden und glücklich. Das Projekt „maternal health in Simikot/Humla“ steht in der Endphase und wird bis 2015 zu einem sehr positiven Ende kommen, d.h. mit dem Angebot der strukturell bestmöglichen Schwangerenvorsorge und Geburtshilfe durch professionelle Hebammen für die Mütter in Simikot und Humla.

 

Es ist aus meiner und der Sicht der örtlichen Hebammen zu erwarten, dass mit Inbetriebnahme des neuen maternity building die Geburtenzahl in den kommenden Jahren ansteigen wird.

 

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Das Spital in Simikot, geführt von health workers und in Zukunft vielleicht von nepalesischen Doktoren, hat dank des Einsatzes vieler freiwilliger Helferinnen und Helfer aus Österreich einen erfreulichen sicht- und messbaren Aufschwung bekommen.

 

An Kosten bis zum Projektabschluss werden schrittweise Investitionen in die neue Entbindungsstation (Solaranlage für Warmwasserbereitung und ev. auch Stromgewinnung, diverse Einrichtungen), medizinische Geräte (z.B. neues Ultraschallgerät) sowie die Weiterbeschäftigung der Hebamme Karmu Lama und der Reinigungskräfte (helpers) anfallen.

 

Für die Realisierung unserer Pläne werden finanzielle Mittel benötigt, die Nepal Trust Austria über PR-Arbeit durch private Sponsoren und öffentliche Förderungen aufbringen muss.

 

Univ.Prof. Dr. Alfred Bichler                              Bad Ischl,24.Juni 2013

Medizinischer Projektleiter

Nepal Trust Austria

 


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