Healthcamp in Simikot – Persönliche Eindrücke bzw. Bericht vom  Heath Camp 19. September - 5. Oktober 2017 in Simikot

 

 

Teilnehmer

Maria Korn (Radiologie)
Barbara Pacher (Radiologie)
Renate Prosenz (Anästhesie)
Barbara Ulm (Gynäkolgie)
Ulrike Kaufmann (Gynäkolgie)
Uschi Jantsch (Anästhesie)
Marie Theres Don (Gynäkolgie)
Aidan Don (Filmspezialist)
Peter Umfahrer (Fotograf)
Oliver Tringler (Anästhesie)
Gerti Kopf (Erste Hilfe)
Maria Deutinger (plastische Chirurgie, Akupunktur)

 

Healthcamp in Simikot – Persönliche Eindrücke bzw. Bericht vom  Heath Camp 19. September - 5. Oktober 2017 in Simikot

Persönliche Eindrücke bzw. Bericht vom Healthcamp 19. September bis 5. Oktober 2017 in Simikot

1.Tag:

Ankunft in Simikot mit Flugzeug mit zwei Tagen Verspätung, da wegen Regens die Flüge von Nepalgunj nicht möglich waren. Empfang in Tsepals guesthouse--ein saubere Oase inmitten einem von Müll verschmutzten Ort. Wir bekommen ein Frühstück und gehen anschließend ins Spital, ca. 20 Minuten zu Fuß.Im Spital warten bereits Patienten, vorwiegend Frauen mit Kindern auf uns. Wir werden von Tsepal in die Untersuchungsräume eingewiesen und wir arbeiten in den kommenden Tage in 2 allgemeinen Ambulanzräumen, einem Gynambulanzraum und 2 Ultrschallräumen.
Wir bekommen zwei Übersetzerinnen, die von Tsepal organisiert wurden. Sie haben eine Ausbildung in Krankenpflege und ohne sie wäre der Ambulanzbetrieb nicht möglich. Es gibt zwei Ultraschallgeräte, einen Laptop mit Abdomenschallkopf, Farbdoppler und guter Bildqualität. Mit diesem arbeitet das Gynteam für geburtshilflichen Ultraschall.Wir nehmen das zweite portable Gerät. Dieses hat einen Abdomenschallkopf,keinen Doppler. Nach längerem Adjustieren gelingt es uns ein passables Sonobild für Abdomen-Untersuchungen einzustellen. Wir untersuchen Patientinnen, die vorwiegend Unterbauchbeschwerden haben. Die Hebamme (Sarita) übersetzt. Bei einer Patientin mit Unterbauchschmerzen haben wir einen zystischen Tumor entdeckt und Zuweisung in ein größeres Spital empfohlen. Eine Frau hat einen Harnwegsinfekt, die übrigen eher vertebrogene Beschwerden. Es gibt eine Teepause--wir lernen die Spitalsdirektorin Dr. Smithey und ihren Mann, einen Orthopäden kennen.
Wir sprechen Dr. Smithey bezüglich des Ultraschallgerätes an, sie erzählt uns dass es ein Neueres noch originalverpacktes Gerät im Lager gibt.Wir sprechen sie auch wegen des Röntgengerätes an, doch leider ist der zuständige Technologe derzeit auf Urlaub ist. Sie will es uns in den nächsten Tagen zeigen.In die allgemeine Ambulanz kommen hauptsächlich Patienten mit Husten, Bronchitis, gastrointestinalen Beschwerden und Skabies. Fast alle Patienten klagen über Rückenschmerzen oder Schmerzen in den Gelenken.Der größte Andrang besteht bei den Frauen, die gynäkologisch untersucht werden wollen, ebenso wollen viele Schwangere eine Ultraschalluntersuchung.

 

2.Tag:

Wir untersuchen den ganzen Tag. Frauen werden von den Schwestern registriert. Mittlerweile kommt ein junger Arzt, Dr Nabil, der gerade sein Studium beendet hat und zwei Jahre in Simokot bleiben möchte zu uns. Er hat einen Ultraschallkurs für Abdomen auf seinem I pad.
Wir bieten ihm an, ihn praktisch auszubilden. Er dolmetscht und bringt uns ein paar basale Redewendungen in der Landessprache bei."lamo sas fed nu" Luft anhalten,"tik sa" alles ok bzw. "dukhnu"-Schmerzen etc.Wir erfahren dass die Ärzte im Streik sind.
Der akuteste Fall, eine exsikkierte ca. 50 jährige Frau mit einer
akuten Gallenblasenentzündung und einem im Gallengang eingeklemmten Stein, um die sich nach der Diagnose unsere Kollegen in der emergency unit kümmern.Zwischenzeitig kommt Dr. Smithey und lässt das neue Ultraschallgerät incl. Drucker auspacken.Es ist ein einfaches Gerät mit einem Abdomen und Small part Ultraschallkopf mit gutem B Bild.
Dr Smithey bittet uns gleich ihre Schilddrüse zu untersuchen. An diesem Tag haben wir sie nicht mehr gesehen.
So gelang es uns leider auch nicht das Röntgengerät zu besichtigen. Wir fanden lediglich zwei Röntgenaufnahmen--einmal Lungen, einmal Ellbogen, die eher eine mangelhafte Bildqualität aufweisen, was vor allem auf ein Problem mit der Entwicklungschemie hindeutet.Für die zahlreichen Patienten mit Gelenkschmerzen setzen wir Akupunktur ein, die vielen eine Linderung bringt.Heute sehe ich einen Patienten mit einem Abszess am Handgelenk, offenbar nach einem Venflon. Es ist hier üblich, dass Patienten mit liegendem Venflon nach Hause geschickt werden. Eine zweite Patientin kommt noch mit einem kleinen chirurgischen Problem, beide werden in Lokalanästhesie operiert unter Assistenz einer Schwester.
Es gibt zwei Operationssäle, wobei einer nur als Lager benützt wird. Zusätzlich gibt es einen Verbandraum, in dem ich die die beiden kleinen Eingriffe vornehme. Der Operationssaal neben dem Kreissaal ist notdürftig eingerichtet, allerdings nicht für Allgemeinnarkose tauglich, wie die Anästhesisten aus dem Team feststellen. Er wird sicher sehr selten benützt, bestimmt könnte man hier Operationen in Lokal oder Regionalanästhesie vornehmen.

3.Tag:

Am Weg zum Spital kommt uns Dr. Smithey im Dorf entgegen, danach haben wir sie nicht mehr getroffen. Wir begannen um 9 h und untersuchten bis 17h, unterbrochen durch eine Mittagspause.Dr Nabil untersuchte gegen Ende des Tages bereits selbständig und zeigte Engament und Geschick. Die meisten Patienten und Patientinnen haben Wirbelsäulenbeschwerden und fordern eine Überprüfung ihrer inneren Organe ein. Ein paar wollen bereits bekannte Diagnosen--Gallensteine, Nierensteine überprüfen lassen. Ein schwerkrankerPatient wird von den Angehörigen zur Untersuchung gebracht, es wurde bereits eine unheilbare Tumorerkrankung vor 2-3 Monaten festgestellt.
Eine Patientin war wegen verstärkter postpartaler Blutung aufgenommen (dort habe ich sie vor 2 Tagen gefunden) und wurde ebenfalls sonographisch untersucht. Ein Kind mit geschwollen Lymphknoten, ein junger Mann mit vergrößerter Milz nach Hepatitis.
Es gibt immer wieder kleiner Tumulte im Wartezimmer --alle wollen gleich drankommen--diese werden von den Schwestern geschlichtet. Manche Patienten und auch Kinder schauen neugierig und ungeniert beim Fenster herein.
Wir hören von unserem Sherpa, dass einige Patientinnen aus einem Dorf gekommen sind und nicht auf die Warteliste für eine Untersuchung geschrieben werden.Zwei Polizistinnen drängen vor---sie brauchen Untersuchungen in eigener Sache. Letztlich schaffen wir an diesem Tag alle Wartenden zu untersuchen.
Wir hören von unserem Sherpa, dass einige Patientinnen aus einem Dorf gekommen sind und nicht auf die Warteliste für eine Untersuchung geschrieben werden.Zwei Polizistinnen drängen vor---sie brauchen Untersuchungen in eigener Sache. Letztlich schaffen wir an diesem Tag alle Wartenden zu untersuchen.

4. Tag:

Heute ist unser letzter Tag im Spital, da der Ansturm nicht mehr so groß ist, arbeiten wir mit einem reduzierten Ärzteteam.
Es gelingt nach mehrfachem Anlauf nun das Gebäude mit dem Röntgengerät zu inspizieren. Wir finden dort ein an der Decke installiertes Röntgengerät vor und ein Buch, aus dem ersichtlich ist, dass ca. 10 Untersuchungen bisher durchgeführt wurden. Leider sind die Röntgenologinnen aus dem Team nicht mehr dabei, um sich das Gerät anschauen zu können.
Am Nachmittag nach getaner Arbeit sitzen wir mit den Hebammen und Schwestern und ihren Kindern in der Ambulanz. Es möchten noch einige von ihnen akupunktiert werden, da sie auch an Gelenks und Rückenschmerzen leiden.
Die Arbeit unter den einfachsten Bedingungen war für das gesamte Team ein unvergessliches Erlebnis.
Vorschläge für ev. Weiterentwicklung des Spitales:
Da es sich hauptsächlich um eine Entbindungsstation handelt, ist die Möglichkeit einer Notsektio ein unerlässlich. Dafür müssten dort Ärzte arbeiten, die Narkose und Kaiserschnitt durchführen können. Die von der Regierung nach Simikot entsandten Ärzte sollten für diesen Eingriff ausgebildet sein.
Der Operationssaal könnte für kleinere Operationen genützt werden, wenn chirurgisch erfahrene Ärzte vorort sind.
Die Sauberkeit im Spital ist verbesserbar, das Personal müsste dahingehend angehalten werden.

Statistik

Allg. Ambulanz 258 Patienten
Röntgen - U Schall 158 Patienten
Pränatal Diagnostik 65 Patienten
Gynäkologie 117 Patienten
Akupunktur 53 Patienten

Ich bedanke mich im Namen des gesamten Teams bei Frau Brigitta Hinterecker- Bogdanowicz und Herrn Ing. Frosch für die Ermöglichung des Health Camps durch den Einkauf der benötigten Medikamente und die Unterkunft in Simikot.


Konto: Nepal Trust Austria – Mahila Avaz, Bank Austria – UniCredit, IBAN: AT721200052069181001 ,  BIC: BKAUATWWXXX

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