Das Tiroler Team in Simikot vom 16.3.-12.4.2016

 

Durchführung eines health camps mit den Schwerpunkten Kinder, Gynäkologie und Geburtshilfe sowie Allgemeinmedizin mit Schwerpunkt Pulmonologie (16.3.-12.4.2016)

 

1. Team:

Dr. Waltraud Fuchs-Mair (Juristin, Assistentin von Dr. E. Marth)
Dr. Claudia Grass (Ärztin für Allgemeinmedizin und Lungenfachärztin)
Dr. Michael Künstle (Arzt für Allgemeinmedizin und Kinderarzt)
DGKS Claudia Lama (Kinderkrankenschwester)
Rinzi Lama (Dolmetscher)
Dr. Alice Markl (Ärztin für Allgemeinmedizin und Chirurgin)
Dr. Elisabeth Marth (Ärztin für Allgemeinmedizin und Gynäkologin)
Dr. Annemarie Wille (Ärztin für Allgemeinmedizin und Lungenfachärztin)

 

2. Ziele:

  • Durchführung eines health camps mit 3 verschiedenen Schwerpunkten:  Kinder, Gynäkologie und Geburtshilfe sowie Allgemeinmedizin mit Schwerpunkt Pulmonologie
  • Beurteilung des aktuellen Zustandes des Krankenhauses
  • Besuch eines health posts und Durchführung eines Ambulanztages

 

2.1. Health Camps

Für die 3 Camps wurden in KTM gemeinsam mit Tsepal ausreichend Medikamente besorgt. Aufgrund der bis vor kurzem bestehenden Benzin/Kerosin und Medikamentenknappheit waren im Krankenhaus kaum Medikamente lagernd. Insgesamt wurden ca. 90 kg Arzneimittel besorgt, - in erster Linie Schmerzmittel, Magenschutzpräparate, Antibiotika, gyn. Präparate und Vitamine. Die Medikamente wurden vorab als CARGO nach Simikot geflogen. Der Ankunftstag in Simikot sowie der folgende Tag (Feiertag) wurden dazu verwendet, die Räumlichkeiten für die Camps zu adaptieren, das Krankenhauspersonal kennenzulernen sowie die Medikamente zu listen und zu sortieren. Das Health Camp wurde im lokalen Radio angekündigt

2.1.1. Kinder Health Camp

Team: Michael Künstle, Claudia und Rinzi Lama

Ort: Dental room

Statistik: insgesamt wurden 276 Kinder untersucht (130 weiblich, 139 männlich)

Altersgruppen:

      • 0a – 2a 80
      • 2a-5a 74
      • 5a-10a 75
      • >10a 44

Diagnosen nach Häufigkeit sortiert:

Grippaler Infekt, Otitis media, gesunde Kinder (check up), Gastroenteritis, Exanthem, Bauchschmerzen, Gastritits, Bronchitis, Kopfschmerzen, Conjunktivitis, Mangelernährung, Angina, Pneumonie, Impetigo, Otitis media perforiert, Contusio, Wurmerkrankungen, Schwindel, Zahnfistel, Clavikulafraktur, Wachstumsschmerzen, Leistenhoden, Lymphadenitis, Sinusitis, Spermatozele, Augenverletzung, Allergie, Hepatitis, Cerebralparese, Laryngitis, Karies, TBC, Urethritis, nephrotisches Syndrom, Leistenhernie, Nabelhernie, diverse Verletzungen.

 

2.1.2. Allgemeinmedizin und Pulmologie

Team: Alice Markl, Annemarie Wille, Claudia Grass, Healthworker: Amar, Ankar, nepalesische Volunteers

Ort: ehemaliger OP

Statistik: insgesamt wurden 367 Patienten untersucht (Verhältnis Frauen : Männer 2:1). Die größte Altersgruppe befand sich zwischen 20 und 40 Jahren, nur sehr wenige Patienten > 60a.

Diagnosen nach Häufigkeit sortiert:

Gastritis, muskuloskelettale Beschwerden, - insbesondere Lumbago und Arthrosen, „Ganzkörperschmerzen“, grippale Infekte, Bronchitis, COPD, anbehandelte TBC, funktionelle Unterbauchbeschwerden, Wurmerkrankungen, Durchfall, Mangelernährung, Exanthem, Harnwegsinfekte, art. Hypertonie, Cholelithiasis, Cholezystitis, Aphten, Conjunktivitis,Lymphadenitis, Mastitis puerperalis, Abszesse, Wunden, Fremdkörperentfernungen in LA, diverse Verletzungen und Frakturen.

2.1.3. Gynäkologie und Geburtshilfe

Team: Elisabeth Marth, Waltraud Fuchs-Mair, Sarita, Karmu, nepalesische Volunteers

Ort: altes maternity building

Statistik: siehe Beilage Dr. Marth

2.1.4. Besonders erwähnenswerte Fälle:

12-jähriger Bub mit 18-Tage-alter pertrochantärer Oberschenkelfraktur rechts. Bei der Erstuntersuchung war das Bein kalt, nicht mehr durchblutet, ausgedehnte Hautnekrosen am ganzen Bein.

Erstversorgung: Antibiose, Schmerztherapie, Flüssigkeit.

Am Folgetag nach Nepalgunj transferiert, dort Amputation.

20-jährige Frau beim Erstkontakt ausgeprägter Aszites und Beinödeme. V.a. gynäkolog. Tumor. Diagnose wurde in Nepalgunj bestätigt (Npl. ovarii).

8- jähriger Bus mit nephrotischen Syndrom, vermutlich postinfektiös. Ad Nepalgunj

2 Kinder mit Augenverletzungen bwz. Contusio capitis. Bei der Erstuntersuchung präsentierten sich beide Kinder mit Brillenhämatom. Ad Nepalgunj zur Bildgebung (keine Frakturen).

 

2.2. Krankenhaus

2.2.1. Staff

aktuell 3 Ärzte (alle Allgemeinmediziner, 1 mit Sectiotraining) beschäftigt, die auch großteilsanwesend und motiviert waren, hauptsächlich die stationären Patienten betreuten (z. Teilgemeinsam mit uns), aber auch ambulante Patienten betreuten. Die Hebammen (Sarita und Karmu), beide wie bereits bekannt sehr erfahren und routiniert (insbesondere Sarita, von der die Maternity gut geleitet wird). Diverse health worker, z. Teil „altbekannte“, als auch neue Mitarbeiter (1 health assistent mit Zusatzausbildung Anästhesie, dadurch war es uns auch möglich, Abszessinzisionen in Analgosedierung durchzuführen), - alle sehr motiviert und hilfsbereit (insbesondere der health assistent sehr routiniert). Die Helpers (Urgen, Budji, Buddi) waren ebenfalls sehr hilfsbereit und bemüht. Im Labor arbeiteten 2 lab-assistants.

 
2.2.2. Gebäude

„Alte maternity“

      • von Sarita und Karmu betreut.
      • Schwangerenbetreuung, Familienplanung, Ultraschall

 

Neue maternity

      • Geburten, Sectiomöglichkeit, Betreuung im Wochenbett
      • sauber, geräumig, hell
      • OP: Sauber, ordentlich sortiert, gutes Equipment, vieles an Einrichtung und Gerätenvon NTA über Gelder der Tiroler und Oberösterreichischen Landesregierung finanziert.

Gebäude durch zusätzliche Investitionen des maturnel health projekt von Dr. Alfred Bichler gut ausgestattet (Böden, Heizkörper, Warmwasser, Solar, hygienische Abdeckungen).

Die erste Sectio wurde am 10.02.2016 erfolgreich durch oben genanntes Staff durchgeführt. Die Patientin war während unseres Camps vorstellig (Pat. i. guten AZ, blande Narbe b. Z.n. p.s.-Heilung. Die Pat. musste aus kulturellen Gründen ab d. 5 postoperativen T ag im Ziegenstall wohnen).

„Mittleres Gebäude“

      • dressing und emergency room noch so in Verwendung wie von uns „eingerichtet“
      • Sauberkeit mäßig
      • Boden v. a. i. emergency room renovierungsbedürftig
      • Nadelabwurfboxen werden verwendet
      • Desinfektionsmittel spärlich.

 

Indoor room: Katastrophaler Zustand, insbesondere Boden total zerstört, Matratzen zum Großteil erneuerungsbedürftig.

Autoclavierraum: guter Zustand. Da jedoch Strom nur sporadisch vorhanden ist (von 21:00 bis 06:00 bzw. untertags gelegentlich um die Mittagszeit) wird wenig autoklaviert.

Leintücher werden von Urgen ausgegeben und gereinigt, Waschmaschine intakt, - wird verwendet, sofern Strom vorhanden ist.

Allgemeine Ambulanz: unverändert.

 

Labor:

Neue Analyzer in Verwendung

man hat den Eindruck, dass mehr Labortest durchgeführt werden, als früher, - jedoch auch erschwert durch den fehlenden Strom.

Augenambulanz:

Mittlerweile im Rot-Kreuz-Gebäude•

wird, wie bereits in den Vorjahren, von Pom bestens betreut (untersteht eigentlich dem Roten Kreuz).

Konventionelles Röntgen: Nach wie vor nicht vorhanden.

2.3. Health Post

Gemeinsam mit Tsepal und seinem jüngeren Bruder sind wir in 2 Tagen nach Yalbanggegangen, um dort einen Tag Ambulanz abzuhalten. Unsere Sachen, wie diverse Medikamente, wurden auf 3 Mulis transportiert. Sowohl am Hin- als auch am Rückweg wurden einige Patienten versorgt.

Insgesamt wurden 76 Kinder und 85 Erwachsene behandelt. Alters- und Diagnosen-Verteilung ähnlich zu Simikot. Die Pat. wurden gemeinsam mit den dort tätigen Health workern betreut, die restliche Medikation wurde dort gelassen. Das Gebäude, ein einzelner Raum, einfach, aber sauber, kein fließendes Wasser. Besonders erwähnenswert ist Ankar, der Health worker in Yalbang, der sehr motiviert und zu den Pat. sehr nett ist.

Wie von Tsepal sinnvoll organisiert hat Ankar bereits in Simikot mit uns gearbeitet, war als Dolmetscher hilfreich und konnte von uns lernen, bzw. konnten wir auch von ihm bei einigen Dingen den nepalesischen „Hausgebrauch“ lernen.

3. Fazit:

Aus unserer Sicht waren die health camps erfolgreich. Es bestand eine gute Zusammenarbeit mit dem ges. Krankenhauspersonal, alle waren motiviert und interessiert. Wir hoffen, dass wir mit unseren eingeschränkten Mitteln unseren Pat. helfen konnten.

Besonders zu erwähnen war sind gute Betreuung durch Tsepal und Kunti und seine beiden Brüder, die alle immer ein offenes Ohr für uns hatten. Vielen Dank!

 

4. Wünsche und Anregungen

Errichtung eines maternal hostels am KH gelände: Wohn und Kochmöglichkeit vor und nach der Geburt (dzt. wird ein kleiner Raum ohne Fließwasser angemietet)

Funktionierende Photovoltaikanlage – diskussionswürdiges Konzept vorhanden

rechtzeitige Organisation der Formalitäten (Arbeitsgenehmigung, Registrierung am medical council), auch unsererseits- mind. 2 Monate voraus

Persönliches Kennenlernen „alter und neuer Teams“ zum Informationsaustausch

6. Zukunftsvision

„Medical trek“ – Versorgung mehrerer healthposts über einen Zeitraum von ca. 2 Wochen - mit vorausgehender guter Planung

 

Gynäkologisches Camp Simikotv

om 23. 3. – 27. 3. und 6. 4. – 8. 4. 2016

Durchgeführt von Dr. Elisabeth Marth (FÄ für Gynäkologie und Geburthilfe) unter Mithilfe von

Dr. Waltraud Fuchs- Mayr, Hebamme Sarita und Hebamme Karmu

Gynäkologische Patientinnen n=246

Schwangere Patientinnen n= 57

Hauptdiagnosen

Unauffälliger gynäkologischer Befund n= 50

Chronischer Beckenschmerz ohne Entzündungszeichen n=103

Fluor vag. (bakt., Mykosen) n =24

Cystitis n= 13

Gastritis n= 10

Unregelm Bltg (großteils bedingt durch Implanon und Depot Injektionen) n=13

Sterilität n= 6

Prolaps:

Grade II n= 6

Grade III n= 2

Grade IV n=1

Myome n=4

Ovarialcysten n= 5

Dysmenorrhoe n= 3

Ut. subseptus n=1

Andere Diagnosen (Gallensteine, Lebercysten,1 x Verdacht auf) n= 6

Ovarialcarcinom)

Kontrazeption

Ohne Kontrazeption, eingeschlossen postmenopausale Frauen und stillende Mütter n=96

Implanon n=13

3 Monatsdepot n= 62

Vasektomie n=19

Sterilisation mittels Minilaparotomie n=27

Pille n= 17

Kondome n= 4

Chinesische Medizin n=1

Kupfer IUD n=1

An average of medication needed for a gyn. camp with about 300 patients

The medications should be bought in Kathmandu, because

1. They are much cheaper there

2. The healthworkers can read the medical informations

Antibiotics:

Metronidazole 1 pckg a 200 tbl

Doxcycline 100mg 2 pckg a 100 tbl

Clavamox 625 mg 30 pckg a 10 tbl.

Ciprofloxacin 1pckg (= 100tbl)
 
Pain medication:
 
Biospam / Hyoscine (=Buscopan) 400 tbl
Ibuprofen 400mg 3 pckg a 500 tbl
Paracetamol 500 mg 2 pckg a 250 tbl
Pantoprazol 40 mg 3 pckg a 200 tbl
Aciloc (Ranitidine) 200 tbl
 
Miscellaneos
 
Duphaston 2 pckg a 100 tbl
Tranexam acid 1 pckg a 30 tbl
Folic acid 10 pckg
Hemax 4 pckg a 200 tbl
Fluconazol 150 mg 2 pckg a 20 kps
 
Local medication
 
Cloma VT = Canesten Vaginal tbl) 30 pckg
Can V Gel (= Canesten) 30 pckg
Germidine (Betaisadona) 10 pckg
 
For t he next camp: Vitamins, as much as possible!!
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Weiters verbrachten wir einen Tag im healthpost von Yalbang , wobei Fr. Dr. Alice Markl und ich PatientInnen mit folgenden Diagnosen behandelten.
 
weibl. Patientinnen : n =74          männliche Patienten: n = 9
 
Hauptdiagnosen
 
Gastritis n= 18
Orthopädische Probleme n= 17
Infekte der oberen Luftwege n= 14
Chronischer Beckenschmerz n= 13
Hautkrankheiten n=3
Verschiedenes n=9
 

Konto: Nepal Trust Austria – Mahila Avaz, Bank Austria – UniCredit, IBAN: AT721200052069181001 ,  BIC: BKAUATWWXXX

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